Samstag, 1. März 2025

Vormärz (K)

Vormärz (1825 – 1848)

Georg Büchner gilt trotz seines schmalen Werkes – er starb bereits im Alter von 23 Jahren – als einer der bedeutendsten Literaten des Vormärz.

Als Vormärz wird ein Zeitabschnitt der deutschen Geschichte bezeichnet. Er wird auf die Jahre vor der sogenannten Märzrevolution (1848) datiert. Die Literaturepoche des Vormärz umfasst denselben Zeitraum. Bildungsbürgertum, Studenten und Literaten forderten Freiheit, Gleichheit sowie eine demokratische Verfassung. Ihrer politisch-revolutionären Bewegung gegenüber stand die konservativ-restaurative Strömung des Biedermeier.

Als Junges Deutschland (1825–1848) wird eine kurze literarische Epoche bezeichnet, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung zum herrschenden Zeitgeist verstand. Im Gegensatz zum unpolitischen Biedermeier wurden vom Jungen Deutschland liberale Ideen aufgegriffen.

Leitete der Wiener Kongress (1815) mit der Neuordnung Europas zunächst eine Phase der politischen Stabilisierung ein, wurde vor allem von einigen den Ideen der Aufklärung verpflichteten Studenten und Professoren gegen den Mangel an Freiheit und staatlicher Einheit in Deutschland aufbegehrt. Die oftmals nur lose miteinander in Kontakt stehenden Schriftsteller hatten sich den Kampf gegen die restaurative Politik der Fürsten des »Deutschen Bundes« zum Ziel gesetzt.

Das Verbot sämtlicher Schriften des Jungen Deutschland im Dezember 1835 läutete den Bedeutungsverlust dieser literarischer Bewegung ein. Der Märzrevolution im Jahr 1848 bahnten fortan forschere Töne den Weg – die nunmehr an Bedeutung gewinnende Literatur des Vormärz ist von einem noch größeren revolutionären Elan geprägt.

Auf dem berühmten Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 demonstrieren rund 30.000 Menschen gegen die politischen Verhältnisse.

Quelle: Junges Deutschland (1825–1848) - Literaturepochen
https://www.inhaltsangabe.de/wissen/literaturepochen/junges-deutschland/

Samstag, 22. Juni 2024

Georg Büchner war seiner damaligen Zeit weit voraus

Georg Büchner


Georg Büchner war ein revolutionärer Aufklärer, der in der reaktionären Zeit des Vormärz lebte. Er hatte den Überblick über die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit, welche in der Unterdrückung der einfachen Landbevölkerung mündeten. Er war ein früh Vollendeter, seiner damaligen Zeit weit voraus.

Georg Büchner war ein blutjunger Mann, der in nur vier Jahren, die ihm für sein Werk bis zu seinem Tod blieben, gegen die Erstarrung seiner Epoche kämpfte. Er war seiner Zeit und dem Denken seiner Zeit weit voraus. Georg Büchner ist ein moderner Mensch und ein moderner Denker in einer rückständigen und reaktionären Welt. Er wollte die Menschen und die Zeit mit radikalen Mitteln aus ihrer Erstarrung befreien.

Georg Büchner war ein Vorkämpfer und Aktivist für Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenrechte, steckbrieflich gesucht, ein begnadetes Multitalent, Dichter, Mediziner, Naturwissenschaftler, Briefschreiber, bibelfest.

Er hatte mehr Ideen als Lebenszeit. Am Ende seines Lebens vollzog er einen Wandel vom Revolutionär zum Schriftsteller. In der Zeit, die ihm gegeben war, schuf er ein beachtliches literarisches Werk, das von einemrevolutionären Geist umweht wird. In seinem kurzen Künstlerleben legte er seinen literarisch-künstlerischen Blick oft analytisch klar auf gesellschaftliche Wunden der Zeit.

Dieser blutjunge Mann, der in nur vier Jahren, die ihm für sein Werk bis zu seinem Tod blieben, gegen die Starre seiner Epoche kämpfte, ist ein moderner Mensch. Seine Werke wirken moderner und frischer als die vieler heute schreibender Autoren.

Georg Büchner, am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren, war Arztsohn. Er studierte Medizin und Naturwissenschaften in Straßburg und Gießen, promovierte 1836 in Zürich und wurde Privatdozent an der dortigen Hochschule.

Zusammen mit dem Schulrektor und Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig verfasste er 1834 die Flugschrift »Der Hessische Landbote«, die unter dem Motto »Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« zum Massenaufstand aufrief. Der drohenden Verhaftung entzog er sich im März 1835 durch die Flucht nach Straßburg. Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich an Typhus.

Von seinen dichterischen Werken erschien zu Lebzeiten nur das Drama »Dantons Tod« (1835). Karl Gutzkow gab 1838 das Lustspiel »Leonce und Lena« in einer gekürzten Fassung, 1839 das Erzählfragment »Lenz« heraus; Karl Emil Franzos veröffentlichte 1875 erstmals Auszüge aus dem Trauerspiel »Woyzeck«.

Weblink:

Georg Büchner-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Samstag, 16. März 2024

»Gesellschaft für Menschenrechte« 1834 gegründet

 Georg Büchner

"Der Mensch muß denken, und ich muß für meine Untertanen denken;
denn sie denken nicht, sie denken nicht."

In seinen Werken setzte sich Büchner mit den Problemen der damaligen Zeit auseinander. Er kritisierte die Ausbeutung des Menschen durch den Staat und das Feudalsystem. 1834 gründete er die »Gesellschaft für Menschenrechte«, eine Geheimorganisation nach französischem Vorbild, die den Umsturz der politischen Verhältnisse zum Ziel hatte und das politische Flugblatt »Der Hessische Landbote«, worin er die hessische Bevölkerung zur Revolution aufrief.

In Gießen gründete er mit einigen Gesinnungsgenossen (u. a. Karl Minnigerode, Jakob Friedrich Schütz und Gustav Clemm) eine »Gesellschaft der Menschenrechte«, die er bald um eine Darmstädter Sektion erweiterte.

Dienstag, 31. Oktober 2023

Georg Büchner - Studium in Gießen


Zum im November beginnenden Wintersemester 1833/34 wechselte Georg Büchner, eingeschrieben am 31. Oktober 1833, an die Universität in Gießen, da maximal zwei Jahre Studium im Ausland (außerhalb von Hessen-Darmstadt) erlaubt waren. Hier im Großherzogtum Hessen erlebte er unmittelbar die Schikanen der Obrigkeit und die Gewalt im Staat. Von nun an konnte er die Vorgänge nicht mehr aus nüchterner Distanz beobachten.

Aus dieser Zeit sind große gesundheitliche Probleme von Büchner überliefert. Es bedrückte ihn nicht nur die Trennung von seiner Verlobten, sondern ihm missfiel seine gesamte Situation. Im Vergleich zu Straßburg hatten ihm die Lehrer in Gießen wenig zu bieten. Zwar lehrte Justus Liebig hier Chemie, doch Büchner interessierte sich nur für Philosophie und Medizin. Später diente ihm einer seiner Gießener Dozenten, der Mediziner Johann Bernhard Wilbrand, als Vorlage für den bornierten und inhumanen Doktor in Woyzeck.

In Gießen gründete er mit einigen Gesinnungsgenossen (u. a. Karl Minnigerode, Jakob Friedrich Schütz und Gustav Clemm) eine »Gesellschaft der Menschenrechte«, die er bald um eine Darmstädter Sektion erweiterte. Über seinen Gießener Freund August Becker lernte er Anfang 1834 auch Ludwig Weidig kennen, Rektor in Butzbach, einen republikanischen Aktivisten, mit dem er beschloss, ein Flugblatt zu verfassen und in Umlauf zu bringen.

Dienstag, 17. Oktober 2023

Georg Büchner als sozialer Revolutionär

Georg Büchner

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt als Sohn eines Arztes geboren. Georg Büchner war ein deutscher Arzt, Schriftsteller, Dramatiker und Sozialrevolutionär, der im offenen Widerspruch zu seiner Zeit lebte und dem nur ein kurzes Leben beschieden war. Als sozialer Revolutionär setzte er sich für die Überwindung der restaurativen Verhältnisse des Metternischen Systems in der Zeit des Vormärz ein.

Büchner ist nur 23 Jahre alt geworden, da eine heimtückische Typhus-Erkrankung seinem Leben und und seinem Schaffen - seinen kompromisslosen Texten, seinem Scharfsinn und seiner bis zur körperlichen Erschöpfung reichenden Arbeitswut jäh ein Ende setzte. Die schlechten Zeiten von damals müssen eine gute Zeit für Literaten gewesen sein: Seine ebenso zeitkritischen wie zeitlosen Werke beschäftigen Theater und Literaturwissenschaft bis heute.

Büchner lebte in der Zeit der Restauration bzw. des Vormärz in einem Klima der Verfolgung und Unterdrückung der Bevölkerung durch einen restaurativen Obrigkeitsstaat. Er hatte den Überblick über die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit, welche in der Unterdrückung der einfachen Landbevölkerung mündeten. Die Rückständigkeit trieb Büchner in einen offenen Widerspruch zur damaligen Zeit. Büchner hatte die Reaktion am eigenen Leib erlebt, wollte die rückständige Feudalgesellschaft verändern und revoltierte in einer reaktionären Zeit gegen den Obrigkeitsstaat.

"Der Mensch muß denken, und ich muß für meine Untertanen denken;
denn sie denken nicht, sie denken nicht."

Georg Büchner

In seinen Werken setzte sich Büchner mit den Problemen der damaligen Zeit auseinander. Er kritisierte die Ausbeutung des Menschen durch den Staat und das Feudalsystem. 1834 gründete er die "Gesellschaft für Menschenrechte", eine Geheimorganisation nach französischem Vorbild, die den Umsturz der politischen Verhältnisse zum Ziel hatte und das politische Flugblatt "Der Hessische Landbote", worin er die hessische Bevölkerung zur Revolution aufrief.

Georg Büchner
Georg Büchner


"Weil wir im Kerker geboren und großgezogen sind, merken wir nicht mehr,
daß wir im Loch stecken mit angeschmiedeten Händen und Füßen und einem Knebel im Munde."

Zusammen mit dem Schulrektor und Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig verfasste er 1834 die Flugschrift »Der Hessische Landbote«, die unter dem Motto "Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" zur Palastrevolution und zum Massenaufstand aufrief. Der drohenden Verhaftung entzog er sich im März 1835 durch die Flucht nach Straßburg. »Der Hessische Landbote« markiert den Höhepunkt der revolutionären Publizistik im deutschen Vormärz. Der Landbote gilt als bedeutendstes Stück des Vormärz, also der Zeit vor den Märzrevolutioen im Jahr 1848.

Georg Büchner war ein universal Gebildeter und mit Anfang 20 breits ein früh Vollendeter. Büchner war ein revolutionärer Geist und seiner Zeit und den Verhältnissen weit voraus. Er war eine umtriebige Gestalt, dessen Schicksal und Unglück es war, in der düsteren Zeit der Restauration und des Biedermeiers zu leben. Von einer reaktionären Obrigkeit wurde Georg Büchner verfolgt und ins Exil in die Schweiz getrieben.

Er war alles in Einem: Forscher, Schriftsteller, Revolutionär. Seiner Zeit weit voraus und bis heute aktuell. Nach seinem frühen Tod haben viele versucht, ihn für sich und ihre Interessen zu instrumentalisieren. Er hat sich dagegen posthum immer tapfer gewehrt und ist bis heute uneinnehmbar geblieben – ein freier Geist eben. Auf den immerhin kann sich jeder berufen, der sich 200 Jahre nach seiner Geburt mit Georg Büchner beschäftigt. Und damit mit Literatur, Wissenschaft – und Revolution.

Am 19. Februar 1837 starb der deutsche Arzt und Schriftsteller Georg Büchner im Exil in Zürich.


Weblinks:

Georg Büchner-Biografie - Biografien-Portal www.die-biografien.de

Revolutionär und Dichter - Georg Büchner - www.dw.de

Zwischen Revolution, Realismus und Poesie: Zu Georg Büchners 175. Todestag - www.main-spitze.de -

 Restauration und Revolution (1815 - 1830)

Literatur:

Georg Büchner
Georg Büchner
von Jan-Christoph Hauschild

Blog-Artikel:

Georg Büchner zum 200. Geburtstag - Literatenwelt-Blog

Dienstag, 24. Mai 2022

Büchner Vortrag vor der Studentenverbindung »Eugenia«


Am 24. Mai 1832 hielt Büchner in Straßburg vor der Studentenverbindung »Eugenia« einen Vortrag über die politischen Verhältnisse in Deutschland.
Besonders im Rahmen von Abenden der Studentenverbindung »Eugenia«, die Büchner als Dauergast besucht, legt er seine politischen Ansichten dar, die sich als wesentlich radikaler als diejenigen seiner Freunde und Bekannten herausstellen.

Der »Eugenia« hatte sich Büchner als „dauerhafter Gast“ („hospes perpetuus“) angeschlossen, da die Mitgliederzahl auf zwölf und auf Theologen beschränkt war.

Die »Eugenia« wurde am 21. Februar 1828 von einer Gruppe von Theologiestudenten gegründet. Dazu gehörten die Brüder August Stöber und Adolph Stöber, Ludwig Amsler (1809–nach 1870), Victor Jaeglé (1806-1871), Ludwig Bricka (1807–1828) und Eduard Lange.

Drei Tage nach dem Vortrag fand am 27. Mai 1832 das Hambacher Fest statt, bei dem rund 30.000 Menschen gegen die politischen Verhältnisse demonstrieren. Auf dem berühmten Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 demonstrieren rund 30.000 Menschen gegen die politischen Verhältnisse .

Dienstag, 9. November 2021

Büchner in Straßburg


Im November 1831 verließ Büchner das politisch bedrückende Darmstadt, um an der Universität in Straßburg ein Medizin-Studium aufzunehmen. Am 9. November 1831, im Alter von 18 Jahren, schrieb sich Georg Büchner in die medizinische Fakultät der Universität Straßburg ein, wo er von 1831 bis 1833 vergleichende Anatomie studierte.

Dort wurde er von Verwandten mütterlicherseits – die Reuß sind seit dem 17. Jahrhundert im Elsaß ansässig – bei Anmeldung, Immatrikulation und Wohnungssuche unterstützt. Er kam bei Pfarrer Johann Jakob Jaeglé, einem entfernten Verwandten, unter, und lernte auf diese Weise dessen Tochter Wilhelmine (Minna; 1810–1880) kennen. Zwischen beiden entsteht bald eine enge Beziehung, die bald zu einer (allerdings zunächst heimlichen) Verlobung führt.

Hier zeigt sich die kolossale Macht, die der Vater auf Büchner ausgeübt haben muss: so stark ist diese Autorität verinnerlicht, dass der sonst freidenkende, ja durchaus revolutionär gesinnte, noch dazu nun im Ausland sich aufhaltende Student aus Angst vor der väterlichen Reaktion sich nicht traut, die ihm wohl am nächsten gehende menschliche Verbindung dem Elternhaus zu melden. In der Tat folgt zwei Jahre (!) später auf die offizielle Ankündigung dann auch ein heftiges Donnerwetter seitens Dr. Ernst Büchners. Wie sehr es ihm dabei nur um tyrannisches Kontrollieren geht, wird an der Tatsache deutlich, dass er nach dem Kennenlernen Wilhelmines nichts gegen die Verbindung einzuwenden hat. Es ist das eigenmächtige Handeln des Sohnes, das ihm missfällt.

In Straßburg wurde Büchners Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Fragen noch intensiver. Durch Lektüre und Diskussionen in seinem dortigen Freundeskreis, zu dem vor allem Eugène Boeckel, Wilhelm Baum, Alexis Muston, August und Adolph Stoeber sowie deren Vater Ehrenfried Stoeber, seinerzeit ein recht bekannter Literat und Publizist, gehörten, schärfte sich Büchners Blick für die Tatsache, dass die Wurzeln des Übels nicht nur in der Vorenthaltung bürgerlicher Rechte, sondern in erster Linie in der materiellen Unterdrückung des Volkes liegen. Er konnte dies besonders gut an den Folgen der französischen Juli-Revolution von 1830 beobachten, aus der sich zielstrebig eine Diktatur des Großbürgertums entwickelte.

Besonders im Rahmen von Abenden der Studentenverbindung »Eugenia«, die Büchner als Dauergast besuchte, legte er seine politischen Ansichten dar, die sich als wesentlich radikaler als diejenigen seiner Freunde und Bekannten herausstellten. Aber auch zu den französischen Linksrepublikanern knüpfte Büchner Kontakte, lernte ihre Organisationsform kennen und befasst sich mit den politischen Theorien der sogenannten utopischen Sozialisten Saint-Simon, Babeuf und Fourier.

Weblink:

Büchner Biographie